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Interdisziplinäre & Internationale KonferenzBioSphere & TechnoSphere 2 – Emotion and Affect in Musics Beyond the Human

5. bis 6. November 2026

Hochschule für Musik Nürnberg, Karl-Grillenberger-Str. 3a, 90402 Nürnberg

Organisation

Prof. Dr. Yvonne Wasserloos (Universität Mozarteum Salzburg)
Prof. Dr. Martin Ullrich (Hochschule für Musik Nürnberg)
Dr. des. Daniel Suer (Hochschule für Musik Nürnberg)

Anmeldung

Hier können Sie sich für die Tagung anmelden.

Programm

Donnerstag 05.11.2026 
12:00–13:00Ankunft und Registrierung
13:00–13:30Begrüßung
13:30–15:00

Panel 1

BioSphäre und TechnoSphäre historisieren: Emotion, Affekt und Erinnerung 1

Moderation: Yvonne Wasserloos

13:30–14:00

Marie Louise Herzfeld-Schild (Vienna) 

Emotional Practices of Musicking in Human-Glacier Relations

14:00–14:30

Emma Schrott (Vienna)

More-than-Human Pandemic Listening: the 1918–20 Influenza

14:30–15:00

Jack Harrison (Warsaw)

Playing Back Pedigree: Empirical and Affective Listening in The Voice of Bugle Ann (1936)

15:00–15:30Kaffeepause
15:30–17:00

Panel 2

BioSphäre und TechnoSphäre historisieren: Emotion, Affekt und Erinnerung 2

Moderation: Annkatrin Babbe

15:30–16:00

Gerd Bayer (Erlangen-Nürnberg) 

Katastrophe und Katharsis in David Mitchells Popmusikroman Utopia Avenue

16:00–16:30

Elena Bös (Munich) 

From Historical Feeling to Algorithmic Affect: Music, Memory, and AI-Mediated Listening

16:30–17:00

Sebastian Dümling (Würzburg)

Elektrolurche im Kompostland: Zu den techno-organischen Verflechtungen im Krautrock (1967–1979)

17:00–17:30Kaffeepause
17:30–19:15

Panel 3:  Zeitgenössische und künstlerische Zugänge: Komposition und Rezeption

Moderation: Pascal Rudolph

17:30–18:00

Emily Doolittle (Glasgow)

A Year in the Life of Calanus finmarchicus: A Musical Exploration of Data about Plankton from Kongsfjorden, Norway

18:00–18:45

Artemi-Maria Gioti (Salzburg)

Listening Like an Algorithm

18:45–19:15

Christopher von Frankenberg (Bonn)

Organik, Algorithmus und Akzelerationismus: Künstliche Intelligenz in der Post-Internet-Musik am Beispiel von Holly Herndons Proto

19:45Konferenz-Dinner, Kaspar Schmauser (optional) 

Freitag

06.11.2026

 
09:15–10:30

Panel 4: Emotionen in tierlichen Vokalisationen und Tierwohl

Moderation: Martin Ullrich

09:15–09:45

Liza Bauer (Gießen)

Vom Vermessen zum Zuhören: Digital vermittelte Tierstimmen als emotional-affektiver

Indikator im Welfare-Assessment

09:45–10:30

Alex South (Glasgow)

Keening and Kinning in the Anthropocene

10:30–11:00Kaffeepause
11:00–12:30

Panel 5: Affekte in der BioSphäre

Moderation: Daniel Suer

11:00–11:30

David Rothenberg (Newark), Mason Youngblood (Stony Brook), Merlyn Kotljar (Estonia)

Reed Circuit: The Artificial Warbler

11:30–12:00

Wolf-Georg Zaddach (Berlin) 

Sound Medi(t)ation: Zur Relevanz von Emotionen und Affekt in einem künstlerischen Forschungsprojekt zur Klima- und Biodiversitätskrise

12:00–12:30

Anna-Sophie Sczepanek (Nürnberg)

BioSphäre im mehr-als-menschlichen Musiklernen und -lehren: ein integratives Literature Review zu Emotionspraktiken und Affektregulierung bei Auftrittsangst

12:30–14:00Mittagspause
14:00–15:30

Panel 6

Emotion, Affekt und Vermittlung

Moderation: Marie Louise Herzfeld-Schild

14:00–14:30

Raphel Börger (Potsdam)

»A revolutionary collaboration between artist and AI«.

Zur Rolle von Musiker*innen als Verkörperungen emotiver KI-Soundscapes

14:30–15:00

Hannah Guntermann (Berlin)

»Tune Into Nature« – Emotionale und affektive Dimensionen von Erfahrungen und Inszenierungen von plant music/mushroom music und ihre Erforschung mit Eco-Phenomenology

15:00–15:30

Veronika Muchitsch (Uppsala)

Postdigital Sonic intimacies: Theorising Music, Affect, Mental Health in Platformed Music Cultures

15:30–15:45Verabschiedung

Call for Papers

Die zeitgenössischen Musiken finden sich in der so genannten TechnoSphäre wieder; Digitalisierung und insbesondere künstliche Intelligenz verändern die Produktion, Distribution und Rezeption von Musik tiefgreifend. Zu den kritischen Aspekten dieser Entwicklungen gehören Fragen des Urheberrechts, der Ethik der Aneignung sowie die Dimensionen und Folgen der De- und Rekontextualisierung von Musik. 

Musiken im Anthropozän können und sollten jedoch nicht als Phänomene betrachtet werden, die einzig der TechnoSphäre angehören. Die schwerwiegenden ökologischen Krisen des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts, darunter der Klimawandel und der Biodiversitätsverlust, haben Künstler*innen und Wissenschaftler*innnen daran erinnert, dass TechnoSphäre und BioSphäre nicht mehr als getrennte, sondern als eng miteinander verbundene Bereiche betrachtet werden müssen (Haraway 2016; Latour 2017). 

Die Akzeptanz dieser Verflechtungen zwischen Technik und organischer Welt fordert ein neues politisches Verhalten, ein anderes Machtgefälle sowie ethische Zugänge, um den Anthropozentrismus in Frage zu stellen. Eine Sichtweise, die die Einbeziehung von Akteur*innen jenseits des Menschlichen betont, betrachtet BioSphäre und TechnoSphäre nicht mehr als kategorisch voneinander getrennt – die Ko-Kreativität in Musik und Klang erstreckt sich auf andere biologische Arten sowie auf technologische Akteur*innen. 

Im Anschluss an die Konferenz BioSphere & TechnoSphere 1 (Salzburg 2025) möchte die diesjährige Konferenz einen besonderen Schwerpunkt auf Fragen der Emotion und der Emotionsgeschichte legen. Emotion und Affekt werden in der interdisziplinären Emotionsforschung bisweilen konzeptuell streng unterschieden: Emotionen werden als kognitiv-intentionale, kommunikative, sozial geformte und damit historisch wandelbare Praktiken begriffen. Darin findet sich ein Distinktionsmerkmal zu Affekten, die als vorbewusste, körperlich-instinktive Reaktionen gelten. Diese Distinktion ist sowohl durch neurowissenschaftliche Zugänge als auch kulturwissenschaftlich und -historisch, mit interdisziplinären Ansätzen zu erforschen (Herzfeld-Schild 2020). In der Musikwissenschaft werden zunehmend intensiver emotionshistorische Konzepte wie „emotional communities“, „emotional practices“ und „emotional regimes“ diskutiert und als Quellen nutzbar gemacht. 

Im Kontext der TechnoSphäre wären sowohl KI-generierte Musik als auch KI-generierte Sammlungen von Musik als Teil von Emotionsgeschichte und -praxis zu hinterfragen bzw. selbst als emotionsgeschichtliches Phänomen zu situieren. Anders als bei menschlich produzierter Musik fehlt den Rezipierenden bei KI-Musik unter Umständen das gegenüberstehende Subjekt, d.h. es fehlt die Identifikation mit den Musikschaffenden, ihren Haltungen, Biographien etc. Zu fragen ist, ob dadurch eine neue Form der Emotionspraxis entsteht, wenn allein die Musik emotionalisiert/emotionalisieren soll und beispielsweise keine soziale Interaktion bei einem Live-Konzert mehr erfolgt. Wenn mittels KI-generierter Avatare hingegen ausgefeilte Musiker*innenpersönlichkeiten und Starimages entworfen werden, stellen sich komplexe Fragen nach emotionalen Bindungen und emotionalisierenden Inszenierungsstrategien innerhalb der TechnoSphäre. Dahinter steht die übergreifende Frage, welche (neue) Bedeutung Musik als Kulturtechnik und -praxis zukommt. 

Damit in Zusammenhang steht ebenso die Frage nach der Bedeutung von Streaming-Plattformen und deren KI-Empfehlungssystemen (Playlists), die daraufhin zu untersuchen wären, inwiefern sich das Musikhören, nach Anlass und Stimmung kanalisiert, von der Emotion zum Affekt oder vice versa verschiebt. 

In Bezug auf tierliche Lautäußerungen (wie Gesänge von Vögeln und Walen), aber auch auf Soundscape Ecologies und ebenso auf die Sonifikation von Biodaten sind aktuelle Ansätze der interdisziplinären Emotionsforschung mit einer sich über lange Zeiträume erstreckenden Emotionsgeschichte des Naturerlebens unterlegt. Insofern versteht sich die Konferenz auch als Beitrag zu einer Emotionsgeschichte der klingenden BioSphäre.

In aktuellen Forschungsprojekten, die mit Hilfe bioakustischer (technologiegestützter) Analyse und teilweise mit Deep-Learning-Ansätzen die Emotionen und Affekte von nichtmenschlichen Klangproduktionen zu entschlüsseln versuchen, entsteht auch methodisch ein Überschneidungsbereich von Techno- und BioSphäre. Auch solchen Ansätzen möchte die Konferenz Raum geben.

Die Kopplung von musikalischer BioSphäre und TechnoSphäre wirft zudem konzeptuelle Fragen auf – etwa danach, inwiefern nicht nur Menschen, sondern auch Technologien oder Tiere als emotionale und affektive Akteur*innen begriffen werden können. Ist die BioSphäre im Rahmen einer strikten Distinktion dem Bereich (instinktiver) Affekte zuzuordnen und die TechnoSphäre jenem der (kognitiven) Emotionen? Oder lässt sich eine solche Dichotomie zugunsten eines stärker verflochtenen Verständnisses umdenken, das sich anhand musikalischer Beispiele konkretisieren lässt? Mit diesen und ähnlichen Fragen möchte die Tagung nicht zuletzt Möglichkeiten eines mehr-als-menschlichen Konzepts musikalischer Emotionen und Affekte erkunden.

Wir freuen uns über Beiträge zu folgenden Themen und Fragen:

  • Musikalische Verflechtungen zwischen Technik und organischer Welt
  • Emotionsgeschichte des Musikmachens und -hörens in BioSphäre und TechnoSphäre
  • Inszenierungen von Emotionen/Affekten und emotionalisierende/affizierende Inszenierungen in BioSphäre und TechnoSphäre
  • Emotionaler und affektiver Gehalt nichtmenschlicher Klangproduktion und Methoden zu dessen Analyse
  • Wie werden Machtverhältnisse durch klangliche Emotionspraktiken realisiert, perpetuiert und/oder destabilisiert?
  • Welche Bedeutung kommt Emotionen und Affekten für soziale Beziehungen in BioSphäre und TechnoSphäre zu?
  • Welchen Stellenwert nehmen Emotionen/Affekte für Plattformlogiken und Empfehlungssysteme ein?
  • Wie könnte ein mehr-als-menschliches Verständnis klanglich-musikalischer Emotionen und Affekte aussehen?
  • Weitere Perspektiven auf das generelle Tagungsthema

Beiträge aus allen musikwissenschaftlichen (Teil-)Disziplinen sind willkommen, ebenso wie aus musikbezogenen Bereichen benachbarter wissenschaftlicher Disziplinen und aus interdisziplinären Bereichen wie Human-Animal Studies, Critical Animal Studies, Critical Plant Studies, Multispecies Ethnography und AI Music Studies. Auch künstlerisch-wissenschaftliche Einreichungen, die sich im Rahmen künstlerischer Forschung mit dem Tagungsthema auseinandersetzen, sind herzlich willkommen. 

Es werden keine Konferenzgebühren erhoben, aber leider ist die Tagungsorganisation nicht in der Lage, Zuschüsse für Reise- und Unterkunftskosten zu gewähren. Wir empfehlen aufgrund von Nürnberger Messeterminen eine frühzeitige individuelle Buchung der Unterkunft über die üblichen Portale.

Präsentationsformate: Vorträge oder Performance Lectures (wahlweise 30 min. + 15 min. Q&A oder 20 min. + 10 min. Q&A). Bitte machen Sie in der Einreichung das vorgesehene Format und die benötigte Zeit kenntlich. 

Konferenzsprachen: Englisch/Deutsch

Einreichungen:

Wir planen die Veröffentlichung eines Sammelbandes (Englisch/Deutsch, Vandenhoeck & Ruprecht) und bitten um die Abgabe fertiger Manuskripte bis zum 15. Februar 2027.

Wir freuen uns auf zahlreiche inspirierende Einreichungen!

Yvonne Wasserloos, Martin Ullrich und Daniel Suer

Bibliographie

Haraway, Donna (2016): Staying with the Trouble: Making Kin in the Chthulucene, Durham: Duke University Press.

Herzfeld-Schild, Marie Louise (Hg.) (2020): Musik und Emotionen: Kulturhistorische Perspektiven, Berlin: Metzler.

Latour, Bruno (2017): Facing Gaia: Eight Lectures on the New Climatic Regime, Cambridge: Polity.

In Kooperation mit dem Interdisziplinären Institut für Politische Musik und Macht der Universität Mozarteum Salzburg