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Was ist RE|LEVEL?

RE|LEVEL war ein Projekt, das die digital gestützte Hochschullehre weiterentwickelte. Im Rahmen von Teilprojekten wurden neue Lehr-Lern-Szenarien durch den Einsatz spezieller Hard- und Software erprobt und evaluiert. Die Projekte reichten von remote Einzel- bzw. Gruppenunterricht bis zu neuartigen Spielszenarien, wie z. B. eine Motion Tracking Softwareentwicklung für den Einsatz in der Musikpädagogik sowie die Entwicklung der TIO Music Übe- und Musizier-App. Ziel des Projekts war es, positive Impulse bzw. erfolgreich evaluierte Vorgehensweisen aus den Teilprojekten in der Hochschullehre zu etablieren, u. a. durch die Integration in bestehende Curricula.

Projektstrategie und Projektphasen

Explorieren und Evaluieren: Im Rahmen der Teilprojekte wurden die jeweils geplanten Lehr-Lern-Szenarien exploriert und mithilfe formativer Evaluationszyklen begleitet und bewertet. Die Teilprojektdurchführenden wurden hierbei durch das RE|LEVEL-Team sowohl konzeptionell als auch technisch unterstützt; zusätzlich erfolgten Lehrdeputatsermäßigungen zur Entlastung der beteiligten Lehrenden.

Etablieren: Die digitale Lehre wurde auf unterschiedlichen Ebenen fest in den Hochschulalltag integriert. Dazu gehörten:

  • die Verankerung digitaler Lehre im regulären Hochschulbetrieb durch die Weiterführung erfolgreicher Szenarien sowie die Integration positiv bewerteter Lehr- und Prüfungsformate in bestehende Curricula bzw. Lehrveranstaltungsangebote,
     
  • die Aufrüstung der technischen Ausstattung von Seminarräumen und des Hörsaals sowie der Aufbau eines DigiLabs; zudem wurden Ausleihmöglichkeiten für Hard- und Software geschaffen,
     
  • die Weiterbildung von Studierenden und Lehrenden in Bezug auf technische und didaktische Herausforderungen der digitalen Lehre durch Fortbildungs- und Workshopangebote sowie der Aufbau einer Austausch- und Wissensplattform für die Hochschule für Musik Nürnberg.

Teilprojekte

  • Das Ziel des Teilprojekts Community Composing (Testphase) war die Erprobung eines alternativen Notations- und Kompositionstools (MusiQuest) sowie dessen Einbindung in ein übergreifendes Kollaborationstool (Milanote). Dabei wurde untersucht, inwieweit die genannten Tools eine Alternative zu klassischen Programmen mit ihren starr chronologischen Eingabemöglichkeiten darstellen. Ergänzend dazu wurde die Software hinsichtlich ihrer intuitiven Bedienbarkeit sowie ihrer Eignung zur Skizzierung und übersichtlichen Sammlung von Ideen und musikalischen Bausteinen getestet. In Seminaren sowie in Eigen- und Gruppenarbeiten erarbeiteten und erprobten die Studierenden die Funktionen der Tools und evaluierten deren Vor- und Nachteile gemeinsam.

  • Das Teilprojekt „Didaktische Konzepte zum Online-Musizieren“ befasste sich mit der Zusammenführung sowie der didaktischen Aufbereitung des in verschiedenen Teilprojekten gesammelten Know-hows und dessen Übertragung auf weitere Studienbereiche und Lehrveranstaltungsszenarien. Zu diesem Zweck wurden die Möglichkeiten des Online-Musizierens im Rahmen eines hochschulübergreifenden Online-Workshops zum Thema „Improvisation für Studierende der Alten Musik“ exploriert.

    Ziel war die Erstellung einer Handreichung für unterschiedliche Szenarien des Online-Musizierens und - Unterrichtens, die sowohl technische als auch didaktische Hilfestellungen bereitstellte.

  • Das Projekt „Digital Elemental Instruments“ verfolgte das Ziel, EMP-Studierende an eine dem digitalen Zeitalter entsprechende neue Haltung heranzuführen. Hierfür wurden neue Inhalte und Lernumgebungen geschaffen, um das „intuitive“ Musizieren mit digitalen Instrumenten zu fördern, wobei zunächst ein besonderer Fokus auf der eigenen kreativen künstlerischen Arbeit lag. Auf Grundlage der dabei erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten wurden anschließend gemeinsam didaktisch und methodisch reflektierte Unterrichtskonzepte für unterschiedliche Altersgruppen entwickelt und in den Lehrpraxisgruppen der Hochschule erprobt.

  • Im Teilprojekt DiGuitaRELevel testeten Björn Colell und die Studentin Theresa Schauer verschiedene Hard- und Softwarelösungen für den synchronen Online-Einzelunterricht im Hauptfach Gitarre (Fachrichtung Klassik), um ein möglichst geeignetes Setup zu identifizieren. Dabei wurde untersucht, welche Aspekte des Einzelunterrichts im digitalen Raum gut umgesetzt oder sogar verbessert werden konnten, etwa die Arbeit an Fingersätzen. Darüber hinaus wurde analysiert, inwieweit sich auch simultanes Zusammenspiel in den digitalen Unterricht integrieren ließ. Als Grundlage dienten Erfahrungswerte aus dem zuvor praktizierten Präsenzunterricht sowie aus dem während der Lockdown-Phase durchgeführten digitalen Unterricht. Die besten Ergebnisse wurden durch die Kombination aus Webcam, Audio-Interface und Mikrofon in Verbindung mit der Plattform Zoom erzielt.

    Hardware       Modell

    Webcam         Logitech Brio (Note 3)

    Interface         Focusrite Scarlett 2i2 (Note 1-2)

    Mikrofon         Neumann KM184 (Note 1)

    Plattform         Zoom (Note 1-2)

  • Im Rahmen des Teilprojekts EWI-Quartett erarbeiteten drei Studierende gemeinsam mit Prof. Patrick Stadler ein originales Werk (Memorabilia von Wolfgang Heiniger) mithilfe digitaler EWI-Instrumente. Die Probenarbeit erfolgte sowohl synchron als auch asynchron sowie in Präsenz und online. Dabei wurden Teile des Werks ausschließlich online, andere wiederum in Präsenz erarbeitet, um die unterschiedlichen Proben- und Arbeitsszenarien vergleichend untersuchen zu können.

    Die Aufführung des Stücks fand im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaft am 21. Oktober 2023 statt.

  • Im Teilprojekt Fagu-Online wurde an die während der Pandemie im Bereich des Online-Fagottunterrichts gesammelten Erfahrungen angeknüpft und die Software UWMeeting für den Einsatz im Online-Einzel- und Gruppenunterricht getestet. Darüber hinaus wurde untersucht, welche Lernfelder und pädagogischen Ansätze jeweils im Online- bzw. im Präsenzunterricht besser umsetzbar sind, um langfristig eine Qualitätssteigerung des Einzelunterrichts zu erreichen. 
    Ziel war sowohl eine Erweiterung der technischen als auch der künstlerischen Kompetenzen der Studierenden während des Studiums und darüber hinaus.

  • Das Projekt Music Motion Tools verfolgt das Ziel, durch die Entwicklung einer KI-basierten Software eine technische Grundlage für niederschwelliges, kamerabasiertes Motion-Tracking im musikpädagogischen Kontext zu schaffen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Bewegung und Gestik im musikalischen Lernen eine zentrale Rolle spielen, geeignete digitale Werkzeuge hierfür jedoch bislang kaum verfügbar sind. Der Fokus liegt daher auf Low-Budget- und DIY-Ansätzen, die sich einfach in Lehr-, OER- und Vermittlungskontexte integrieren lassen.

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    Im Projektverlauf wurden mehrere Anwendungsszenarien prototypisch umgesetzt und erprobt, wobei der Schwerpunkt zunehmend auf Zugänglichkeit, intuitiver Bedienung und breiter Einsetzbarkeit lag:

    1. Instrumentalspiel – bewegungsgesteuertes Perkussionsspiel:

    Mittels Kamera werden Handbewegungen erfasst und auf virtuelle Perkussionsinstrumente übertragen (z. B. Xylophon/Mallet-Setups). Spielpositionen, Klangstäbe und Tonvorräte werden visuell dargestellt; unterschiedliche reale und experimentelle Tonanordnungen können gewählt und kombiniert werden. Ergänzend stehen Spiel- und Looper-Funktionen zur Verfügung.

    2. Dirigat und gestengesteuerte Klangerzeugung:

    Handgesten steuern Tonhöhen und Klänge, etwa in einem Solmisations-Modus zur Begleitung von Ensemble- oder Chorarbeit oder in frei spielbaren Modi, bei denen Tonhöhenverläufe „in der Luft“ gezeichnet und klanglich variiert werden können.

    Die entwickelten Music Motion Tools wurden iterativ mit unterschiedlichen Zielgruppen (Kinder, Studierende, Eltern, Museumsgäste) getestet und u. a. in eine interaktive Medienstation im Carl-Orff-Museum in Dießen am Ammersee (www.co-mu.de) integriert. Die Ergebnisse bilden eine belastbare Grundlage für die weitere interne Weiterentwicklung in Lehre, Vermittlung und öffentlichen Anwendungskontexten.

  • Im Teilprojekt Musics Crossing Borders ging es zunächst um das Erproben und Evaluieren ethnomusikologischer sowie spezieübergreifender Arbeitsformen. Anschließend wurde angestrebt, diese Arbeitsweise in angepasster Form und in ihren unterschiedlichen Facetten, gegebenenfalls einschließlich geeigneter Prüfungsformate, an der Hochschule für Musik zu etablieren.

    Für das Projekt wurde mit indischen Universitäten kooperiert, um den Studierenden die Musiken Indiens aus erster Hand näherzubringen und einen gegenseitigen Austausch zu ermöglichen. Aufgrund der räumlichen Distanz fanden die gemeinsamen Seminareinheiten hybrid unter Einsatz einer 360°-Grad-Kamera statt.

  • Im Teilprojekt Musizieren und Unterrichten via Internet wurden den Studierenden verschiedene Möglichkeiten für das gemeinsame Online-Musizieren vermittelt. Dazu gehörten Plattformen wie SonoBus (in Verbindung mit Jitsi), Jamulus, Doozzoo, Digital Stage und weitere. Ziel war es einerseits, durch Ausprobieren und Evaluieren die am besten geeignete Software für den Online-Unterricht und verwandte Nutzungsszenarien zu identifizieren, und andererseits, den Studierenden die hierfür erforderlichen digitalen Kompetenzen zu vermitteln. Diese Kenntnisse konnten auch über das Studium hinaus für gemeinsames Online-Musizieren und -Unterrichten genutzt werden.
    Darüber hinaus wurde das synchrone Spielen in einer Remote Jazz Combo mithilfe der OV-Boxen der Digital Stage exploriert.

  • Im Teilprojekt Outside Eye and Outside Ear wurde die kollaborative Arbeitsplattform Milanote genutzt, um das Selbstmanagement der Studierenden sowie ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten und in interdisziplinären Projekten zu fördern. Durch Selbstaufnahmen mit niedrigschwelligem Equipment (Video und Audio) wurden außerdem die Selbstreflexion und die Weiterentwicklung der Projekte unterstützt. Die Selbstaufnahmen wurden auf einer Austauschplattform übersichtlich zusammengetragen und mit Bildern, Zeichnungen und weiteren Materialien zu Aufführungssituationen sowie Fragen zur Licht- und Raumgestaltung kombiniert. Auf diese Weise konnten die Projekte gemeinsam weiterentwickelt und der Einsatz der Tools im Team reflektiert werden.

  • Im Rahmen des Teilprojekts Quantiforce PART wird[RK1]  eine Geige mit speziellen Sensoren ausgestattet, die u. a. den Kinn- und Fingerdruck messen können, um somit die Muskelaktivität und Bewegungsabläufe in einer App für die Studierenden bildlich darzustellen. Mithilfe dieser App können Studierende ihre Spielweise selbstständig überprüfen und auch vorher unsichtbare Parameter als Feedback erhalten. Dementsprechend können sie ihr Spielverhalten anpassen und verbessern. Das Ziel des Projekts ist eine sinnvolle Integration der neuen Möglichkeiten in den Instrumentalunterricht und in das tägliche Üben.

  • Ziel des Teilprojekts Remote Electronic Acoustic Studio war es, den Studierenden umfassende Erfahrungen mit Audiosoftware zur Klangmanipulation zu ermöglichen, die in diversen Studios und Institutionen Standard ist. Zudem wurden die Grundlagen verschiedener Aufnahme- und Mikrofonierungstechniken vermittelt, die von rein dokumentarischen Mitschnitten bis hin zu künstlerischen Konzepten wie Soundscapes reichten. 
    Durch die detaillierte technische Arbeit mit einer Vielzahl an Möglichkeiten wurden die Werke der Studierenden insbesondere in der Klanggenerierung und Spatialisation ästhetisch differenzierter. Die routinierte Anwendung unterschiedlichster Hard- und Software führte zu einer zunehmenden Sicherheit im Umgang mit eigenen Werken sowie bei der Realisation von Werken anderer Komponist*innen, etwa gemeinsam mit Instrumental- oder Gesangstudierenden bei der Aufführung von Live-Elektronik.
    Gemeinsam mit den Studierenden wurde ein Workflow zwischen dem Equipment zu Hause und an der Hochschule entwickelt, der effektives Arbeiten, künstlerische Freiheit, Experimentierfreude und hohe Ansprüche an die klangliche Qualität miteinander verband. Erläuterungen, Hands-on-Übungen und Kurzanleitungen wurden in Zusammenarbeit mit den Studierenden erstellt und dokumentiert.

  • Die Veranstaltung Remote Jazz Combo bot Jazz-Studierenden die Möglichkeit, unter detaillierter Anleitung in Echtzeit über das Internet – in der Regel von zu Hause aus – miteinander zu musizieren. Voraussetzung für die Teilnahme an der Remote Jazz Combo war die Verfügbarkeit eines Computers oder Laptops samt Webcam und (externem) Mikrofon, eines Audiointerfaces sowie einer stabilen Internetanbindung über ein LAN-Kabel. Das RE|LEVEL-Team stellte eine begrenzte Anzahl dieser Setups zur Ausleihe bereit. Zudem vergab die Hochschule an jede:n Teilnehmende:n leihweise einen zusätzlichen Mini-Rechner (Raspberry Pi, „OV-Box“), der für das Musizieren in Echtzeit unverzichtbar war. Obwohl der technische Aufwand insgesamt komplex erschien, konnte er unter Anleitung auch von durchschnittlich technikaffinen Studierenden gut bewältigt werden.

    Im neu eingerichteten DigiLab (Raum 2.29) stand eine vollständige technische Ausstattung für die Remote Jazz Combo zur Verfügung, die nach Absprache genutzt werden konnte. Einen Einblick in die Arbeitsweise der Remote Jazz Combo vermittelt ein Video-Clip aus dem vergangenen Studienjahr.

  • Das RE|LEVEL-Team hat einen Programmierauftrag für eine Übe- und Musizierapp vergeben, der gemeinsam mit der Firma Studio Fluffy verwirklicht wurde. Seit Januar 2025 entwickelt die cultivate GmbH die App mit dem RE|LEVEL-Team weiter – so wurde das neue Tool „Übetipps“ umgesetzt. Die App TIO Music wird Studierende und Musizierende mit verschiedenen Tools, wie einem Metronom, Stimmgerät, Mediaplayer inkl. Anpassungsmöglichkeit der Tonhöhe und Abspielgeschwindigkeit, Piano, einem Looprecorder sowie einem Notizbuch für das Erstellen und Speichern von Sessions, in ihrer Übe- und Spielpraxis unterstützen. Testen Sie die App TIO Music kosten- und werbefrei auf Ihrem Android oder Apple Gerät! 

  • Ziel des Teilprojekts Unterstützung der Chorarbeit durch digitale Medien (auditiv und visuell) war es, mittels hochqualitativer Audio- und Videoaufnahmen sowohl für die Chorleiter*innen als auch für die Chorsänger*innen neue methodische Wege der Qualitätsverbesserung aufzuzeigen. Die Aufnahmen ausgewählter Fragmente der Probenarbeit wurden in den Chorproben produziert und sollten auch zur individuellen Weiterarbeit zur Verfügung gestellt werden. Die Möglichkeit des wiederholten Ansehens/Anhörens kann ein eigenständigeres Lernen ermöglichen sowie auch Remote eingesetzt werden, wodurch die Studierenden dabei unterstützt werden können, auch bei Abwesenheit den Unterricht zu reflektieren.

  • Im Teilprojekt Videoclip statt Arbeitsblatt wurden Lernvideos für Studierende entwickelt. Besonders im Bereich theoriebegleitendes Klavierspiel konnten die Lernvideos Verstehensprozesse beschleunigen, da bestimmte Hürden des Gruppenunterrichts vermieden wurden – beispielsweise formale Einschränkungen wie die zu geringe Zahl vorhandener Tasteninstrumente im Unterrichtsraum oder individuelle Unterschiede im Lerntempo der Studierenden.

    Die während der ersten Durchführung entstandenen acht Lernvideos wurden bereits mit großem Nutzen sowohl im Unterricht als auch für das individuelle Lernen und Üben eingesetzt.

Projektleitung

Prof. Rainer Kotzian Präsident / Elementare Musikpädagogik (Hauptfach)

Raumnummer 1.42

Dank

Das Projekt wurde von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre vom 01.08.2021 bis zum 31.12.2025 gefördert.