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Remote-Learning an Musikhochschulen: Explorieren – Evaluieren – Etablieren

Ziel des Projekts: Positive Impulse aus der Distanzlehre (Remote-Learning), werden aufgegriffen und die digitale Hochschullehre wird durch die Konzeption, Erprobung und Evaluation von digital gestützten Lehr-/Lernarrangements weiter ausgebaut. Positiv bewertete Lehr- und Prüfungsformate werden schließlich in bestehende Curricula etabliert.

Die Beteiligung aller Departments an verschiedenen Teilprojekten ist gewünscht, um das ganze Spektrum von Lehr-/Lernszenarien und Modulkategorien an Musikhochschulen abdecken zu können (künstlerischer Einzelunterricht, künstlerischer Gruppenunterricht, Ensemblelehre/-proben, Seminar, Vorlesung). Anträge für Teilprojekte können von einzelnen Lehrenden und von Teams, auch departmentübergreifend, gestellt werden.

Projektstrategie und Projektphasen

  1. Explorieren: Erprobung und Erweiterung bestehender Formate, Plattformen und technischer Optionen, u. a. in speziell eingerichteten Musterräumen und durch Beschaffung und Arbeit mit unterschiedlicher Hardware und Software.
     
  2. Evaluieren: Begleitung und Bewertung digitaler Lehr-/Lernszenarien, unter anderem durch die beteiligten Lehrenden und Studierenden.
     
  3. Etablieren: Integration positiv bewerteter Lehr- und Prüfungsformate in bestehende Curricula.

Projektantrag

Teilprojekte

  • Das Ziel des Teilprojekts Community Composing ist die Entwicklung eines Notationsprogramms, welches im Team synchron und asynchron genutzt werden kann und sich in der Struktur von den klassischen Programmen abhebt, da die Oberfläche mehr einer Pinnwand als einem Notenblatt ähnelt (vergleichbar mit Miro-Board). Die Software soll Kompositionsprozesse in Gruppen vereinfachen. Die Anwendung soll in allen Fächern zur Anwendung kommen können, die sich mit Arrangement, Satztechnik und Komposition befassen. Neben der Anwendung für den kreativen Gruppenprozess soll die Software auch die Möglichkeit bieten, Studierende unmittelbar bei ihren Projekten zu betreuen, indem die Funktionen der Software es u. a. vereinfachen, direkt im Notentext zu kommentieren oder auf interessante Ansätze zu verweisen.

  • Das Projekt "Digital Elemental Instruments" hat zum Ziel, EMP Studierende einer dem digitalen Zeitalter entsprechenden neuen Haltung näherzubringen. Neue Inhalte und Lernumgebungen sollen geschaffen werden, um das „intuitive" Musizieren mit digitalen Instrumenten zu fördern, wobei besonderes Augenmerk zunächst auf der eigenen kreativen künstlerischen Arbeit liegt. Aus den erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten heraus werden dann gemeinsam didaktisch und methodisch durchdachte Unterrichtskonzepte für unterschiedliche Altersgruppen entwickelt und in den Lehrpraxis-Gruppen der Hochschule ausprobiert.

  • Im Teilprojekt DiGuitaRELevel haben Björn Colell und die Studentin Theresa Schauer verschiedene Hard- und Softwarelösungen für den synchronen online Einzelunterricht im Hauptfach Gitarre (Fachrichtung Klassik) getestet, um das beste Set Up herauszufinden. Dabei wurde eruiert, welche Aspekte des Einzelunterrichts gut umgesetzt oder sogar verbessert werden können (z.B. Fingersätze gestalten…). Darüber hinaus wurde untersucht, ob es Möglichkeiten gibt, simultanes Zusammenspiel auch in den digitalen Unterricht zu integrieren. Als Grundlage hierfür dienten Erfahrungswerte aus dem bisher praktizierten Präsenz- sowie digitalen Unterricht während des Lockdowns. Das beste Ergebnis wurde durch die Verwendung einer Webcam, einem Interface und einem Mikrofon mit der Plattform Zoom erzielt.

    Hardware       Modell

    Webcam         Logitech Brio (Note 3)

    Interface         Focusrite Scarlett 2i2 (Note 1-2)

    Mikrofon         Neumann KM184 (Note 1)

    Plattform         Zoom (Note 1-2)

  • Im Rahmen des Teilprojekts EWI-Quartett erarbeiten drei Studierende und Prof. Patrick Stadler ein originales Werk (Memorabilia von Wolfgang Heiniger) mithilfe von digitalen EWI-Instrumenten. Für die Erarbeitung wird sowohl synchron als auch asynchron geprobt und sowohl in Präsenz als auch online, wobei Teile des Werks rein online, andere wiederum in Präsenz erarbeitet werden, um die Probe-Szenarien miteinander vergleichen zu können. Die Aufführung des Stücks erfolgt im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaft am 21. Oktober 2023.

  • Im Teilprojekt Fagu-Online wird an die Erfahrungen, die während der Pandemie im Bereich online Fagott Unterricht gesammelt wurden, angeknüpft und die Software UWMeeting für den Einsatz im online Einzel- und Gruppenunterricht getestet. Darüber hinaus wird exploriert, welche Lernfelder und pädagogischen Ansätze online bzw. in Präsenz jeweils besser umsetzbar sind, um somit langfristig eine Qualitätssteigerung des Einzelunterrichts zu erreichen. Ziel ist sowohl eine technische als auch künstlerische Kompetenzerweiterung für die Studierenden während ihres Studiums, aber auch darüber hinaus. 

  • Das Projekt Music Motion Tools hat das Ziel mithilfe einer Software-Entwicklung die technische Grundlage für niederschwellig verfügbares Motion-Tracking im musikpädagogischen Kontext zu schaffen. Als Case-Studies werden dazu drei verschiedene Anwendungsszenarien exemplarisch beleuchtet:

    1. Instrumentalspiel: Bewegungsgesteuertes Spielen ausgewählter Perkussionsinstrumente:

    Mittels Kamera und ggf. weiterer Sensorik wird die Bewegung eines bestimmten Objekts (z. B. Schlägel) oder der Hand erfasst, das bzw. die „in der Luft“ spielt, und auf ein virtuelles Instrument übertragen. Zur Erleichterung des Spiels wird die verfügbare Tonauswahl und die aktuelle Spielposition visualisiert. Reale Instrumenten-Settings (z. B. eines Stabspiels), aber auch experimentelle Tonanordnungen können ausgewählt werden.

    2. Dirigat: Gestengesteuerte Klangerzeugung:

    a) Vorgegebene Handzeichen zu Solmisationssilben steuern z. B. im Kontext Ensemble-/Chorleitung einen Synthesizer zur Begleitung.

    b) Ähnlich zu einem Theremin können in der Luft Tonhöhenverläufe gezeichnet und durch verschiedene Handstellungen in der Klangfarbe variiert werden.

    3. Körperhaltung und Schlagtechnik:

    Erfassung des Oberkörpers beim Perkussionsspiel auf akustischen Instrumenten, um mit Hilfe angelernter KI-Modelle Fehler im Bewegungsablauf zu identifizieren.

  • Im Teilprojekt Musics Crossing Borders ging es zunächst um ein Erproben und Evaluieren des ethnomusikologischen und speziesübergreifenden Arbeitens. Anschließend soll – in angepasster Form – diese Form des Arbeitens in ihren unterschiedlichen Facetten, ggf. mitsamt geeigneter Prüfungsformen, an der Hochschule für Musik etabliert werden. Hierfür wurde mit indischen Universitäten zusammengearbeitet, um den Studierenden das Thema Musiken Indiens auch aus erster Hand näherbringen zu können sowie einen gegenseitigen Austausch zu fördern. Aufgrund der räumlichen Entfernung fanden gemeinsame Seminareinheiten hybrid, mithilfe einer 360°-Grad-Kamera, statt.

  • Im Teilprojekt Musizieren und Unterrichten via Internet werden Studierenden verschiedene Möglichkeiten für das gemeinsame Online-Musizieren nähergebracht. Dazu gehören Plattformen wie SonoBus (in Verbindung mit Jitsi), Jamulus, Doozzoo, Digital Stage und weitere. Ziel ist es einerseits durch Ausprobieren und Evaluieren die ideale Software für den Online-Unterricht und verwandte Nutzungsszenarien zu finden sowie andererseits den Studierenden die für die Nutzung erforderlichen digitalen Kompetenzen an die Hand zu geben. Diese können auch über das Studium hinaus in Form von gemeinsamem Online-Musizieren und -Unterrichten genutzt werden. Darüber hinaus wird das synchrone Spielen in einer Remote Jazz Combo mithilfe der OV-Boxen der Digital Stage exploriert

  • Im Teilprojekt Outside eye and outside ear wird die kollaborative Arbeitsplattform Milanote genutzt, um das Selbstmanagement der Studierenden sowie die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten und in der Arbeit in interdisziplinären Projekten zu fördern. Durch Selbstaufnahmen mit niedrigschwelligem Equipment (Video und Audio) werden außerdem die Selbstreflektion und Weiterentwicklung von Projekten gefördert. Die Selbstaufnahmen werden ebenfalls auf einer Austauschplattform übersichtlich zusammengetragen und mit Bildern, Zeichnungen etc. zu Aufführungssituationen und Fragen zur Licht- und Raumgestaltung kombiniert. Die Projekte sollen somit gemeinsam weiterentwickelt und der Einsatz der Tools im Team reflektiert werden.

  • Im Rahmen des Teilprojekts Quantiforce PART wird eine Geige mit speziellen Sensoren ausgestattet, die u. a. den Kinn- und Fingerdruck messen können, um somit die Muskelaktivität und Bewegungsabläufe in einer App für die Studierenden bildlich darzustellen. Mithilfe dieser App können Studierende ihre Spielweise selbstständig überprüfen und auch vorher unsichtbare Parameter als Feedback erhalten. Dementsprechend können sie ihr Spielverhalten anpassen und verbessern. Das Ziel des Projekts ist eine sinnvolle Integration der neuen Möglichkeiten in den Instrumentalunterricht und in das tägliche Üben.

  • Ziel des Teilprojekts Remote Electronic Acoustic Studio ist es, Studierenden mehr Erfahrungen mit Audiosoftware zur Klangmanipulation, die in diversen Studios/Institutionen Standard ist, zu ermöglichen. Zudem sollen den Studierenden die Grundlagen verschiedener Aufnahme bzw. Mikrofonierungstechniken, die von rein dokumentarischer Art (Mitschnitt) bis hin zum Einsatz in künstlerischen Konzepten (z.B. Soundscapes) reichen, nähergebracht werden. Durch die detaillierte technische Arbeit mit einer Vielzahl an Möglichkeiten werden die Werke der Studierenden insbesondere in der Klanggenerierung und Spatialisation ästhetisch differenzierter. Durch die routinierte Anwendung unterschiedlichster Hard- und Software bekommen die Studierenden zunehmend Sicherheit in der Arbeit mit eigenen Werken sowie bei der Realisation von Werken anderer Komponist*innen z.B. zusammen mit, bzw. als Instrumental-/Gesangstudierenden bei der Aufführung von Live-Elektronik. Gemeinsam mit den Studierenden wird ein Workflow zwischen dem Equipment zu Hause und an der Hochschule entwickelt, bei dem effektives Arbeiten, künstlerische Freiheit, Experimentierfreude und höchste Ansprüche an die klangliche Qualität das Ziel sind. Erläuterungen, hand-ons, Kurzanleitungen werden in Zusammenarbeit mit Studierenden entwickelt und dokumentiert.

  • Das RE|LEVEL-Team hat einen Programmierauftrag für eine Übe- und Musizierapp vergeben, der gemeinsam mit der Firma Studio Fluffy verwirklicht wird. Die App TIO Music wird Studierende und Musizierende mit verschiedenen Tools, wie einem Metronom, Stimmgerät, Mediaplayer inkl. Anpassungsmöglichkeit der Tonhöhe und Abspielgeschwindigkeit, Piano, einem Looprecorder sowie einem Notizbuch für das Erstellen und Speichern von Sessions, in ihrer Übe- und Spielpraxis unterstützen. Testen Sie die App TIO Music auf Ihrem Android Gerät! Eine Veröffentlichung für iOS-Geräte ist im April 2024 geplant.

  • Ziel des Teilprojekts Unterstützung der Chorarbeit durch digitale Medien (auditiv und visuell) war es, mittels hochqualitativer Audio- und Videoaufnahmen sowohl für die Chorleiter*innen als auch für die Chorsänger*innen neue methodische Wege der Qualitätsverbesserung aufzuzeigen. Die Aufnahmen ausgewählter Fragmente der Probenarbeit wurden in den Chorproben produziert und sollten auch zur individuellen Weiterarbeit zur Verfügung gestellt werden. Die Möglichkeit des wiederholten Ansehens/Anhörens kann ein eigenständigeres Lernen ermöglichen sowie auch Remote eingesetzt werden, wodurch die Studierenden dabei unterstützt werden können, auch bei Abwesenheit den Unterricht zu reflektieren.

  • Im Teilprojekt Videoclip statt Arbeitsblatt werden Lernvideos für Studierende entwickelt. Gerade für den Bereich theoriebegleitendes Klavierspiel können Lernvideos Verstehensprozesse beschleunigen, weil hier bestimmte Hürden des Gruppenunterrichts vermieden werden (formal: Ausstattungsprobleme im Unterrichtsraum durch zu wenig vorhandene Tasteninstrumente, individuell: unterschiedliche Lerntempi). Die während der ersten Durchführung entstandenen acht Lernvideos werden bereits mit großem Gewinn im Unterricht sowie für das individuelle Lernen und Üben eingesetzt. Eine Verlängerung des Teilprojekts ist für den Rahmen von Wahlpflichtkursen (Musiktheorie und Musik und Medien) für das kommende Studienjahr angedacht.

Ansprechpersonen

Miriam Grillmayer Innovationsmanagerin RE|LEVEL, Teamleitung RE|LEVEL

Holde Hell Hochschulkoordinatorin Nürnberg im Netzwerk 4.0 der Musikhochschulen, WPF Körperarbeit, Übetechnik, Innovationsmanagerin RE|LEVEL

Raumnummer H.37

Franziska Reitenspieß Projektassistenz RE|LEVEL

Gisela Baur-Pajak Wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Bereich Evaluation RE|LEVEL

Michael Sollfrank Mitarbeiter IT, RE|LEVEL

Projektleitung

Prof. Rainer Kotzian Präsident / Elementare Musikpädagogik (Hauptfach)

Raumnummer 1.42

Teilprojektbezogene Maßnahmen

  • Unterstützung und Begleitung bei der Konzeption und Umsetzung digitaler Lehr-Lern-Formate
  • Kontinuierliche Evaluierung der Lehr-/Lernarrangements
  • Erteilung von Open-Source-Programmieraufträgen für offene Softwarebedarfe
  • Ausstattung mit benötigter Software und Hardware
  • Optionen auf Deputatsermäßigung ("Freikauf") bei der Mitwirkung an einem Teilprojekt
  • Ermöglichung hochschuldidaktischer Weiterentwicklung hin zu mehr selbstbestimmtem Lernen der Studierenden
  • Planung und Umsetzung von Workshops zur Weiterqualifizierung von Lehrenden
  • Kontinuierliche Veröffentlichung der Konzepte und Ergebnisse in einer digitalen Wissensdatenbank im Wiki-Format sowie als Open Educational Resources (OER)

Haben Sie Interesse am Projekt mitzuwirken? Haben Sie Fragen oder eine Idee und würden Sie sich gern darüber austauschen?
Dann kontaktieren Sie gern unser Team!

Das Projekt wird von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre vom 01.08.2021 bis zum 31.12.2025 gefördert.