Besonderer Unterrichtsbetrieb in Zeiten von Corona – Oberbürgermeister Marcus König besucht Hochschule

Credit: Sören Balendat

Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie muss das Sommersemester 2020 an Hochschulen weiterhin vorwiegend digital stattfinden. Präsenzunterricht kann nur unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften erfolgen, so die Anweisungen des bayerischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Dadurch ergeben sich u. a. große Herausforderungen für den künstlerischen Ausbildungsbetrieb und die Forschungsaktivitäten an der Hochschule für Musik Nürnberg. Der neue OB der Stadt Nürnberg, Marcus König, hat die Kulturinstitution am 29. Mai besucht, um sich einen Eindruck von der aktuellen Lage zu verschaffen.

Die Hochschule befindet sich im Ausnahmezustand, doch Not macht bekanntlich erfinderisch: Es werden neue technische Möglichkeiten erprobt und eingesetzt, um bestmöglichen Lehrbetrieb sicherzustellen.

Ein Großteil des Unterrichts findet per Videotelefonie statt, so auch der Gesangsunterricht von Prof. Susanne Kelling, Vizepräsidentin und Professorin an der Hochschule. Für sie ist der Online-Unterricht eine gute Möglichkeit, um die Zeit bis zur Wiederaufnahme des gewöhnlichen Hochschulbetriebs zu überbrücken. Ein vollständiger Ersatz könne er nicht sein, denn „eine klangliche Nuancierung, Feinabstimmung der Dynamik und intonatorische Aspekte sind nur in begrenztem Rahmen realisierbar. Töne im Spitzenbereich des menschlichen Stimmspektrums überfordern die meisten Mikrofone und Unterrichtsplattformen.“ Ganz ähnlich äußert sich auch Kellings Studentin Mara Möritz: „Musik machen ist eine sowohl physisch als auch psychisch aktive Angelegenheit, die kein Video in gleicher Art und Weise einfangen kann, wie es unsere menschlichen Sinne erlauben.“ Die junge Sopranistin zeigt sich trotz der Einschränkungen aber verständnisvoll und positiv: „Die Corona-Krise ist für jeden eine Ausnahme-Situation. Das gilt für Studierende sowie für Dozierende. Trotzdem haben die meisten Kommilitonen und Lehrenden versucht, das Beste herauszuholen.“

Hochschulpräsident Prof. Christoph Adt sieht in dieser herausfordernden Zeit sowohl Vor- als auch Nachteile: „Musik bedeutet Begegnung. So war es anfangs besonders schmerzlich zu realisieren, dass wir unserer Berufung für eine lange Zeit nicht mehr in gewohnter Weise nachgehen können. Im Bereich der Digitalisierung werden wir jedoch gestärkt aus der Krise hervorgehen: Die alternativen Unterrichtsmethoden wurden von Lehrenden und Studierenden sehr engagiert weiterentwickelt. Das dazugewonnene Know-How werden wir auch nach der Krise nutzen, die Qualität der Lehre an der Hochschule für Musik Nürnberg hat in dieser herausfordernden Zeit profitiert. Dennoch ist das unmittelbare Miteinander bei Musik unabdingbar. Deshalb hoffen wir sehr, den Menschen bald wieder von Angesicht zu Angesicht mit unserer Kunst begegnen zu können.“

Die frisch gewählte Bürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner freut sich, dass der Hochschulbetrieb langsam wieder hochfährt: „Musik ist die gemeinsame Sprache aller Menschen, Musik schafft Miteinander. Dass der Lehrbetrieb an der Hochschule für Musik Nürnberg nach und nach an Dynamik gewinnt, ist daher eine gute Nachricht. Dass dies zunächst auch auf digitalem Wege geschieht, darf als Chance für Lehrende und Studierende zugleich begriffen werden.“

Neben der exemplarischen Demonstration von digitalem Unterricht wurde auch die Arbeit mit dem revolutionären Steinway Spirio-R Flügel vorgeführt. Das High-Tech-Instrument, das die Eigenschaften eines klassischen Konzertflügels und eines digitalen Musikinstruments auf höchstem Niveau vereint, wurde vor kurzem für das hochschulübergreifende Kooperationsprojekt LEONARDO – Zentrum für Kreativität und Innovation, dank der Förderung durch die Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“, angeschafft. Der Flügel ermöglicht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Hochschule für Musik und der Technischen Hochschule Nürnberg interdisziplinäre Forschung im Bereich Künstlicher Intelligenz und Künstlicher Kreativität zu betreiben. Im Rahmen des LEONARDO-Forschungsprojekts „Spirio Sessions“ improvisierte Dr. Sebastian Trump am Saxophon live gemeinsam mit dem Flügel und einer eigens entwickelten KI-Software. Oberbürgermeister Marcus König spricht begeistert über das Projekt: „Ich gratuliere den Nürnberger Hochschulen zu der beispielhaften Kooperation im Bereich Künstliche Intelligenz. Das Forschungsprojekt ‚Spirio Sessions‘ setzt dabei weithin beachtete Maßstäbe. Das gemeinsam initiierte LEONARDO-Zentrum löst ein, was im Untertitel mitschwingt: Es ist Motor für Innovation und Kreativität in Nürnberg. Der Jahresschwerpunkt ‚Künstliche Intelligenz und Mensch-Maschine-Interaktion‘ unterstreicht dies in beeindruckender Weise.“

Die innovative Technik des Steinway Spirio-R Flügels eröffnet auch Studierenden gänzlich neue Möglichkeiten – sei es in der Tonaufnahme, der Komposition oder der wissenschaftlichen Arbeit. So konnte Lukas Langguth, Jazzpiano-Student im 4. Fachsemester, beispielsweise seinen Pop-Song „Miss Us So“ während des Lockdowns von zu Hause aus produzieren. Der Hybrid-Flügel und mehrere Polyend Perc Drum-Roboter standen dabei in der Hochschule und wurden aus dem elterlichen Dachboden des Studenten ferngesteuert gespielt. Toni Hinterholzinger, Tonstudioleiter der Ausbildungsstätte, erklärt: „Hierfür wurde eine innovative Netzwerktechnik zur verlustlosen Echtzeit-Übertragung von Audio- und MIDI-Daten übers Internet entwickelt. Die Instrumente stehen in einer akustisch hoch optimierten Umgebung, sind mikrofoniert und können tontechnisch mit modernsten Methoden bearbeitet werden. Detailreiche Traditions-Klangfarben in höchster Aufnahmequalität sind damit auch von zuhause aus erreichbar.“