Prof. Lilo Kraus

Harfe
Musikpädagogik/Fachdidaktik, Zupfinstrumente
Studienbereich Zupfinstrumente
Department Instrumente/Gesang
0911/260646
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Lilo Kraus wurde 1956 in Niederbayern (Deggendorf) geboren. Sie wuchs als Kind schon mit der dortigen traditionellen Musik auf und sammelte damit schon als 10-Jährige erste Erfahrungen auf dem Konzertpodium. Zahlreiche Schallplattenaufnahmen und Rundfunkauftritte in einer klassischen Stubenmusikbesetzung belegen dies. Die Begeisterung für europäische Musik, Volkstänze und klassische Chormusik prägten sehr stark ihre Zeit zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr.

Ihre berufliche Laufbahn als Konzertharfenistin begann an der Fachakademie für Musik Nürnberg, wo sie bei Betty Förg und Prof. Therese Reichling studierte. In dieser Zeit erhielt sie den Dr. Josef-Drechsel-Preis der Stadt Nürnberg. Die Ausbildung als Orchestermusikerin schloss sie mit der künstlerischen Reifeprüfung ab. 1984 erspielte sie sich mit einem erfolgreichen Probespiel die Stelle als 1. Soloharfenistin am Staatstheater Nürnberg und trat damit die Nachfolge ihrer Lehrerin Therese Reichling an.

Trotzdem setzte sie ihre Harfenstudien an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover bei Prof. Ruth Konhäuser fort. Nachdem sie dort ihre Abschlussprüfung „mit Auszeichnung“ bestanden hatte, wurde sie in die Solistenklasse aufgenommen und beendete ihr Studium mit dem Konzertexamen im Jahr 1987.

1988 erarbeitete sie in Paris mit dem berühmten Harfenisten Pierre Jamet Werke von Claude Debussy.

Mit Christian Thielemann und den Nürnberger Philharmonikern spielte sie 1991 als Solistin die „Danse sacrée et danse profane“ von Claude Debussy. Des Weiteren spielte sie mehrmals das Konzert für Flöte und Harfe von Wolfgang Amadeus Mozart und das Concertino von Germaine Tailleferre mit Jac van Steen und Fabricio Ventura und den beiden Nürnberger Orchestern.

Von den verschiedensten Opernhäusern und Kulturorchestern wird Lilo Kraus häufig als Gast engagiert. Wie zum Beispiel 1992 zu CD-Aufnahmen und Konzerten bei den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von James Levine mit der Solistin Jessye Norman. 1994 erhielt Lilo Kraus den Kulturpreis der Stadt Deggendorf und gastierte bei den Opernfestspielen 2008 in München mit Kent Nagano.

Gastspiele führten sie nach Frankreich, Schweiz, Österreich, Russland, China, Italien und Griechenland. Im November 2008 folgt sie einer Einladung zum 2. Harp-Festival nach Paraguay. Sehr erfolgreich ist ihr Programm „Harfe Solo“. Darin bezieht sie sich auf musikalische Traditionen und spielt auf verschiedenen Harfen Musik aus Irland, Spanien, Südamerika und Stücke aus dem böhmisch-bayerischen Kulturraum. Auf der Konzertharfe erklingen Werke aus dem Solorepertoire der klassischen Konzertliteratur (Spohr, Bach, Debussy, Britten usw.).

Lilo Kraus liebt es, mit ihrem Instrument auch musikalische Grenzen zu überschreiten. So verwirklicht sie eigene Projekte mit zeitgenössischer Kammermusik („Hast Du mal Feuer, Prometheus?“) und gründete das Trio Harp&harp mit dem Bluesharpspieler Chris Schmitt und dem Percussionisten Yogo Pausch. Bisher hat sie 4 CDs veröffentlicht: „Wurzelmusik”, „In Balance” und „Harfe Solo”. 2013 erschien die CD „Harp&harp, Lilo Kraus Quartett”, mit Peter Pelzner (E-Gitarre), Marco Kühnl (Kontrabass) und Chris Schmitt (Bluesharp).

Im September 1991 wurde sie zunächst Dozentin an der Hochschule für Musik Nürnberg und ist mittlerweile dort Professorin der Hochschulklasse. Eine Besonderheit, die sie ihren Studierenden bietet, ist der „Copilotenplatz” direkt neben ihr im Orchestergraben. Hier erleben die jungen Nachwuchstalente in der Live-Situation praxisnah die nervlichen Anspannungen und erfahren das Zusammenspiel von Orchester, Dirigent und Bühnengeschehen. Dieses Zusatzangebot zum Studium ist bundesweit einmalig und wird dadurch gekrönt, dass ihre Studenten nach Absprache gelegentlich sogar selbst einzelne Passagen in Vorstellungen übernehmen dürfen.

Die Methodik ihres Unterrichts leitet sich von der „Berliner Schule“ (Max Saal, 1882–1948) ab und stützt sich auf die pädagogische Arbeit von Carlos Salzedo und Henriette Renie, um anhand dieser Schulen eine überlegene Spieltechnik zu vermitteln, die es möglich macht, auch schwierigste Passagen zu bewältigen, ohne gesundheitliche Schäden am Bewegungsapparat zu nehmen. Richtschnur ihres Unterrichts ist dabei ein voller weicher Harfenton, der durch einen natürlichen Bewegungsablauf erzeugt wird.

Ihre pädagogische Vielseitigkeit belegt sie durch fächerübergreifende Begleitung ihrer Studenten sowohl in der Abteilung für Alte Musik (Hakenharfe, chromatische Harfe)als auch in der Jazz-Abteilung (Konzertharfe mit Pick-ups und Verstärker)

Auf ihrer erst kürzlich erschienen neuen CD Harp&harp, „Von Bach bis Bluesbrothers“ kann man ihre musikalische Vielseitigkeit hören.

Verfasst von Rainer Templin