Referentinnen und Referenten 2017

Gesine Bänfer

Gesine Bänfer spielte viele Jahre als Saxophonistin in Tanzcombos und Big Bands, bevor sie sich auf Alte Musik spezialisierte. Mit ihrer Schalmei ist sie Preisträgerin des renommierten Alte Musik Wettbewerbes Festival van Vlandern, Brügge, für ihr Dudelsackspiel wurde sie vom Folkfestival Rencontres Internationales de St. Chartier (F) ausgezeichnet und erhielt gleich zwei Preise der Deutschen Popstiftung als »Beste Bläserin« und für die »Beste Folkrockband«. Ihre Forschungsarbeiten zur Bläsermusik des Mittelalters haben internationale Anerkennung gefunden und sie hält Vorträge über das Bildmaterial historischer Holzblasinstrumente an führenden Universitäten und Musikhochschulen in Europa. Ihre Leidenschaft gilt der Ikonographie, der Erforschung historischer Quellen und deren Kombination mit lebendig gebliebenen Musiktraditionen. Als Musikproduzentin betreibt sie ihr eigenes Independent-Label ahalani-records.

„Schall und Rauch“ – laute Musik im Mittelalter

Im mittelalterlichen Europa entstand durch die Hochzeit von Schalmei und Trompete im Alta-Ensemble eine einzigartige mehrstimmige Bläsermusik, deren Tradition noch heute in den Symphonieorchestern, im Jazz und in den Zirkuskapellen fortlebt.

Frank P. Bär

Frank P. Bär studierte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen Musikwissenschaft und Linguistik des Deutschen. 1995 wurde er mit einer Arbeit über Holzblasinstrumente im 16. und frühen 17. Jahrhundert promoviert. Ein zweijähriger Aufenthalt in Paris galt der Erforschung des Pariser Holzblasinstrumentenbaus im 17. und 18. Jahrhundert. Seit 1997 ist er Leiter der Sammlung historischer Musikinstrumente am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, seit 2006 dort zusätzlich verantwortlich für den Programmbereich Forschungsservice.

Stadtpfeifer – Das Schweizer Taschenmesser musikalischer Repräsentation

Rund ein halbes Jahrtausend liegt zwischen dem Moment, als im 14. Jahrhundert die ersten fahrenden Musikanten von aufstrebenden Städten zu einem festen Dienst verpflichtet wurden, und dem 1819 erschienenen Märchen von den Bremer Stadtmusikanten, für die eine solche Verpflichtung gerade einmal besser als der Tod ist. Was die Stadtpfeifer für die Ratsherren so attraktiv machte, nämlich ihre Fähigkeit, verschiedene Musikinstrumente zu beherrschen, wurde ihnen mit der zunehmenden Spezialisierung virtuoser Musiker auf eines oder zwei Instrumente im Laufe des 18. Jahrhunderts zum Verhängnis. Die Blütezeit der Stadtpfeifer scheint am Ende des 16. Jahrhunderts gelegen zu haben, wie die steigende Anzahl von Musikdrucken und das innovative Instrumentarium der Zeit nahelegen.

Katharina Bäuml

Capella della Torre/Roth

Katharina Bäuml, geboren in München, studierte zunächst moderne Oboe, Barockoboe und historische Rohrblattinstrumente und spezialisierte sich dann in verschiedenen Bereichen der Alten Musik. Ihr ganz besonderes Interesse gilt der Bläsermusik des 15. bis 17. Jahrhunderts. 2005 gründete sie das Ensemble „Capella de la Torre“, eins der heute wichtigsten Ensembles für Renaissancemusik. Die Gruppe hat bisher 20 CD-Einspielungen vorgelegt, und erhielt 2016 den ECHO Klassik als Ensemble des Jahres. Katharina Bäuml widmet sich auch der zeitgenössischen Musik auf historischen Instrumenten. Seit 2010 entstanden so zahlreiche Kompositionen für das Duo „Mixtura“, u.a. zu hören beim Berliner Festival „Ultraschall“. Katharina Bäuml ist Leiterin mehrerer Festivals und Konzertreihen und initiiert immer wieder Begegnungen zwischen Musik der frühen Neuzeit und Jazz. Zuletzt übernahm sie die Reihe „Musica Ahuse“ in der romanischen Klosterkirche Auhausen, in der jährlich renommierte Spitzenensembles der Alten Musik auftreten. Die Musikerin unterrichtet in Berlin und gibt regelmäßig Meisterkurse an den Musikhochschulen in Genf (Schweiz), Hannover und Lübeck.

"Staging the Shawms“ – Das historische Rohrblattinstrument im aktuellen Konzertbetrieb

Der Klangreichtum der frühen Neuzeit ist im heutigen Konzertsaal nicht ausreichend repräsentiert. Insbesondere die Rohrblattinstrumente des 15. und 16. Jahrhunderts nehmen dort nicht den ihnen gebührenden Rang ein. Der Vortrag untersucht den Begriff der Authentizität bei quellentreuer Interpretation und plädiert für eine angemessene Präsenz der Schalmei im Konzertbetrieb.

Ian Harrison

Ian Harrison ist einer der führenden Spieler von Schalmei, Zink und historischen Dudelsäcken in Europa. Er ist Gründungsmitglied des preisgekrönten Ensembles für Mittelaltermusik Les haulz et les bas sowie des Ensembles für Alte traditionelle Musik The early folk band. Er wirkt als Dozent für Musik des Mittelalters an der Schola Cantorum Basiliensis, Musikhochschule für Alte Musik in Basel. Er forscht zu verschiedenen Aspekten der Alten Musik und ist Spezialist für historische Improvisation. Er spielt Konzerte, Radiosendungen und Aufnahmen und gibt Workshops in ganz Europa, Amerika, Asien und Australien. Seine Arbeit wurde mit Preisen des Festival der alten Musik, Brugge (B), der Rencontres des Maitre-Sonneurs, St. Chartier (F), der deutschen Pop und Rock Stiftung und kürzlich mit dem Nachtklang-Preis von Deutschlandradio Kultur ausgezeichnet.

Town Pipers and Waits: die städtischen Pfeifer in England und Schottland, 1500–1700

Auf den britischen Inseln fing die Tradition der Stadtpfeifer um einiges später an als auf dem Festland. Aber einmal etabliert, wetteiferten die Städte untereinander um die besten Musiker und die neusten Instrumente. Während in England die städtischen Ensembles bis zu sechs Schalmeien- und Pommer-Spieler bezahlten, leisteten sich die ärmeren (oder geizigeren?) schottischen Städte oft nur einen einzigen Pfeifer. Die schottischen Town Pipers waren aber in der Lage selber mehrere Pfeifen gleichzeitig zu blasen, denn sie spielten Dudelsack und trugen dadurch zu einer langlebigen schottischen Tradition bei.

Markus Müller

Markus Müller begann im Alter von 11 Jahren Oboe zu spielen. 1994 entdeckte er seine Liebe für die Barockoboe. An der Hochschule für Musik in Bremen studierte er das Spiel der historischen Oboen und lebt seit seinem Konzertdiplom bei Leipzig. Seine besondere Leidenschaft gilt dem Kantaten- und Oratorienwerk Johann Sebastian Bachs sowie der Kammermusik. Eine besonders enge Zusammenarbeit als erster Oboist verbindet ihn mit der Lautten Compagney Berlin, dem Sächsischen Barockorchester von Thomaskantor Gotthold Schwarz sowie der Merseburger Hofmusik unter der Leitung von Michael Schönheit. Darüber hinaus ist er gern gesehener Gast in verschiedenen Barockorchestern (u.a. Le Concert Lorrain, La Stagione Frankfurt, Ensemble Inégal Prag, capella vitalis Berlin, Les Amis de Philippe, Leipziger Barockorchester). Der Musik für Oboenband verschreibt er sich als künstlerischer Leiter der Leipziger Oboen Band. Konzertreisen führten ihn auf alle großen Konzertsäle in ganz Deutschland und nahezu alle europäischen Länder sowie die USA und Kanada. Rundfunk- und CD-Produktionen runden sein musikalischen Schaffen ab. Seit dem Sommersemester 2015 unterrichtet Markus Müller als Dozent für Barockoboe an der Hochschule für Musik Nürnberg.

„Die Lustige Feld-Musik“. Der Siegeszug der Oboeband, von Frankreich aus durch ganz Europa

Die Musik für Oboen-Band nimmt ihren Ursprung am Hof Ludwigs XIV., des berühmten Sonnenkönigs. Hier, am damals in jeder Hinsicht prunkvollsten Hof, fanden Anfang bis Mitte des 17. Jahrhunderts tief greifende Umwälzungen im Instrumentenbau statt. Das Zeitalter der Renaissance hinterließ eine große Vielfalt aller Instrumentengattungen. Aus den Schalmeien und Dulzianen der Renaissance entwickelten sich die Oboe und das Fagott. Dieser Prozeß fand fließend statt, so dass von einer „Erfindung“ der Oboe nicht wirklich die Rede sein kann. Als maßgebend für den Durchbruch der Oboe wirkten die Hotteterres sowie Mitglieder der Philidor-Familie als Musiker unter Ludwig XIV. am Hof in Versailles in der „Musique de la Grande Ecurie“. Ihrem unermüdlichen Einsatz im Instrumentenbau sowie ihrem hervorragenden Spiel auf den Oboen ist es zu verdanken, dass die Oboe ihren Siegeszug quer durch Europa antreten konnte.

Dominik von Roth

Dominik von Roth, Studium der Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Kulturmanagement an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar, Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Università degli Studi di Perugia. Neben mehrjähriger Leitung des Weimarer Festivals für junge Literatur „juLi im juni“, erfolgreiche Teilnahme an Kulturmarketing-Wettbewerben (Kunsthalle Bremen 2004, Robert Bosch Stiftung – Kulturmanager im Ausland 2006). Promotion im Fachbereich Musikwissenschaft (2014) mit dem Thema „Mignon und Margarete in Malerei und Musik. Ästhetische Rezeption und Fragmentierung um 1800“. Seit 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Forschungsprojekt „Die Neudeutsche Schule. Schriftenedition, Datenbank und Studien zu einer zentralen musikästhetischen Kontroverse des 19. Jahrhunderts und ihren Folgen“. Im Jahr 2015 Koordination des Projekts „Schütz und Luther“ im Heinrich-Schütz-Haus Weißenfels (Bereich kulturelle Bildung), seit 2016 Projektkoordinator des DFG-Forschungsprojekts „Musikinstrumente sammeln – das Beispiel Rück“ am Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg. Forschungsinteressen: Verhältnis von Bild, Text und Musik um 1800; Musikästhetik des 19. Jahrhunderts; Musikikonographie; Musikkritik und das Phänomen „Neudeutsche Schule“; historische Tasteninstrumente; Vermittlung und Sammlungsgeschichte.

Stadtpfeifer – ein folgenreicher Luxus

Durch den steigenden Reichtum seit dem ausgehenden Mittelalter und einem damit einhergehenden Repräsentationsbedürfnis von Hof und Stadt konnte sich ein neuer Berufsstand etablieren. Neben Anstellung und Funktion zwischen bloßem Signalgeber und einem zunehmend sich spezialisierenden Musikertum kann am Beispiel der Freien Reichsstadt Nürnberg zudem die Verknüpfung der Stadtpfeifer mit dem einst führenden Musikinstrumentenbau aufgezeigt werden.

Hans-Peter Westermann

Nach Beendigung des Studiums an der Kölner Musikhochschule wurde Hans-Peter Westermann zunächst Mitglied im Orchester der Deutschen Oper Berlin und danach des WDR Sinfonieorchesters. Seit 1982 ist er freiberuflich tätig und arbeitete mit renommierten Orchestern wie: Musica antiqua Köln, concentus musicus Wien, Anima eterna Brügge, La Stagione Frankfurt, Dresdener Festivalorchester. Barocke und klassische Bläserkammermusik wurden mit den Ensembles Camerata Köln und Les Adieux erarbeitet und aufgenommen. Von 1988 bis 1992 hatte er eine Gastprofessur an der Wiener Musikhochschule inne. Er ist Mitbegründer der Akademie für Alte Musik Bremen und der Abteilung Historische Aufführungspraxis an der Frankfurter Musikhochschule. In der eigenen Werkstatt stellt er historische Oboeninstrumente selbst her.

Vom Holz zum  Klang“. Suchen – lagern – bohren – abstimmen – spielen:  ein Instrumentalist packt aus