Referenten

Die Videoaufzeichnungen der Vorträge finden Sie hier.

Frank P. Bär

Frank P. Bär studierte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen Musikwissenschaft und Linguistik des Deutschen. 1995 wurde er mit einer Arbeit über Holzblasinstrumente im 16. und frühen 17. Jahrhundert promoviert. Ein zweijähriger Aufenthalt in Paris galt der Erforschung des Pariser Holzblasinstrumentenbaus im 17. und 18. Jahrhundert. Seit 1997 ist er Leiter der Sammlung historischer Musikinstrumente am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, seit 2006 dort zusätzlich verantwortlich für den Programmbereich Forschungsservice.

Einführung

Die Laute zählt zu den wenigen Musikinstrumenten mit einer langen, doch immer wieder schroff unterbrochenen Geschichte. Phasen weiter Verbreitung und musikalische Blütezeiten wechseln mit Zeiten völligen Vergessens. Den verschiedenen Bedeutungsvarianten, die Lauten widerfuhren, entspricht eine kaum übersehbare Anzahl von Bau- und Stimmungsvarianten – insbesondere wenn man das Augenmerk hinaus und zurück auf die außereuropäischen Vorfahren und Verwandten der Renaissance- und Barocklauten und vorwärts auf ihre Nachfahren und Reinkarnationen richtet. Der Blick auf „die Lauten“ soll dazu beitragen, „die Laute“ als Teil eines größeren Ganzen zu sehen.

Björn Colell

1964 in Berlin geboren, studierte Björn Colell Gitarre an der Hochschule der Künste in Berlin bei Mariangelez Sanchez-Benimeli, wo er sowohl als Gitarrenpädagoge wie auch im Konzertfach mit Auszeichnung abschloss. Ein Studium für Laute und historische Aufführungspraxis am Royal College of Music in London bei Jakob Lindberg beendete er mit dem ARCM Diplom. Später folgte die künstlerische Reifeprüfung an der Hochschule der Künste in Berlin, ebenfalls mit dem Gesamturteil sehr gut.
Als Dozent für historische Zupfinstrumente lehrte er zwischen 1993 und 2002 an den Musikhochschulen Felix Mendelssohn Bartholdy, Leipzig, und Carl Maria von Weber in Dresden. Gelegentliche Meisterkurse für Lautenisten und Gitarristen ergänzen seine Unterrichtstätigkeit.
Das Spektrum seiner Konzert- und Aufnahmetätigkeit reicht vom solistischen Spiel über Kammermusik bis zur Mitwirkung bei Orchesterwerken und Opern als Continuospieler. Eine intensive internationale Konzerttätigkeit führte ihn an die prominentesten Konzertorte in ganz Europa, Japan, sowie Süd- und Nordamerika. Als festes Mitglied der Berliner Barocksolisten begleitet er Tourneen und CD Produktionen. Björn Colell ist außerdem Gast bei vielen anderen Ensembles, mit künstlerischer Spezialisierung auf historische Aufführungspraxis, darunter bei der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Freiburger Barockorchester, Drottningholms Barockorchester, oder der Berliner Barock Compagney. Gerne und erfolgreich konzertiert er auch in Duobesetzungen. Neben der festen Duopartnerschaft mit dem Barockgeiger Georg Kallweit im Ensemble „Ombra e Luce“ arbeitete er mit hervorragenden Instrumentalisten und Sängern, wie z.B. Maurice Steger und Philippe Jaroussky. Es existieren zahlreiche CD–Einspielungen, sowie Rundfunk- und Fernsehproduktionen mit ihm. Seine besondere Qualität als einfühlsamer und gleichzeitig virtuoser Begleiter wird von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeiert. CD Einspielungen mit Björn Colell wie Gluck Italian Arias mit Cecilia Bartoli oder Aufnahmen mit Maurice Steger wurden mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem ECHO, dem Grammy und dem Choc de la Musique.

Michael Freimuth

Michael Freimuth gehört zu den gefragten Solisten und Continuospielern auf der Laute, Theorbe und Gitarre. Sein Repertoire reicht dabei von der frühen Renaissance bis zum romantischen Lied. Zu seinen Lehrern gehörten Karl Scheit, Konrad Ragossnig und Konrad Junghänel. Seine Konzerttätigkeit führte ihn zur Zusammenarbeit mit namhaften Interpreten wie C. Abbado, P. Angerer, F. Bernius, I. Bolton, R. Jacobs, E. Kirkby, H. Max, M. Schneider, dem Freiburger Barockorchester, O. di Lasso Ensemble, La Petite Bande, Concerto Köln, Bell’Arte Salzburg u. a.
Neben regelmäßigen Auftritten mit dem Balthasar-Neumann-Chor unter Th. Hengelbrock ist Michael Freimuth der Lautenist des Vokalensembles „Himlische Cantorey“ Hamburg.
Im vergangenen Jahr nahm er als erster die auf Schloss Rohrau in Niederösterreich wieder entdeckten Werke von Silvius Leopold Weiss auf.
info@michael-freimuth.de

J. S. Bach: ‚Praeludio con la Suite‘ (BWV 996). Ein Werk für die Laute?

Preludio con la Suite, BWV 996, gilt unter Gitarristen wie Lautenisten seit langem als erste Lautensuite im Werk Johann Sebastian Bachs. Dabei wird oft übersehen, dass die Suite auf der allgemein üblichen, im d-Moll-Akkord gestimmten Barocklaute gar nicht spielbar ist. Nachdem die Staatsbibliothek zu Berlin 2009 eine lange unzugängliche Abschrift erwerben konnte, die der Bach Schüler Heinrich Nikolaus Gerber angefertigt hatte, rückte das Werk erneut in die Öffentlichkeit. Auch wenn die Frage nach der Besetzung – Laute, Cembalo oder Lautenclavier – nicht eindeutig geklärt werden kann, gibt es doch eine Möglichkeit, das Werk mit Rücksicht auf die damaligen Gegebenheiten auf der Laute umzusetzen. Grundlagen dieser Interpretation werden in dem Vortrag erörtert.

Joachim Held

Joachim Held erhielt seine musikalische Ausbildung an der Schola Cantorum Basiliensis bei Eugen Dombois und Hopkinson Smith. 1988 beendete er das Studium mit dem Diplom für Alte Musik. Von 1988 bis 1990 studierte er bei Jürgen Hübscher an der Musikhochschule Karlsruhe und schloss dort mit der Künstlerischen Abschlussprüfung ab.
1990 gewann Joachim Held den 2. Preis beim „Concours Musica Antiqua“ des Flandern-Festivals in Brügge. Damit begann eine intensive internationale Konzerttätigkeit, sowohl als Continuospieler, wie auch als Solist und Kammermusiker. So spielt er seit 1993 („L‘incoronazione di Poppea“ im Rahmen der Salzburger Festspiele) regelmäßig unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt. 2004 wirkte er bei dessen Produktion des „King Arthur“ von Henry Purcell im Rahmen der Salzburger Festspiele mit. Seit 1992 ist Joachim Held bei einer Vielzahl von Konzerten und Aufnahmen von Giardino Armonico (Mailand) beteiligt (so wirkte er z. B. mit bei dem „Vivaldi Album“ mit, das mit Cecilia Bartoli für die Decca veröffentlicht wurde). Als Solist trat Joachim Held international bei renommierten Festivals auf, u. a. den Schwetzinger Festspielen, den Concerti a San Maurizio in Mailand, dem Early Music Forum Budapest oder den Händel-Festspielen in Halle an der Saale auf. Seit 1996 konzertiert er mit Bettina Pahn. Das Duo gastierte erfolgreich bei den Göttinger Händel-Festspielen, dem Kissinger Winterzauber, dem Schleswig-Holstein Musik Festival und anderen.
Seit 2005 nimmt Joachim Held regelmäßig Solo-CDs für Hänssler Classic auf: 2005 erschien eine Auswahl des „Schele Manuskripts“ aus dem Jahre 1619 in Zusammenarbeit mit Radio DRS Zürich und eine CD mit Werken österreichischer Komponisten des Barock für Barocklaute „Erfreuliche Lautenlust“. Für diese CD erhielt Joachim Held den „Echo Klassik 2006 für die beste solistische Einspielung im Bereich 17./18.Jhdt“. Es folgten weitere Einspielungen – die jüngste Aufnahme, die sich den englischen Werken zur Zeit Dowlands widmet, erschien unter dem Titel „Merry Melancholy“ im Juni 2010.
Seit September 2007 unterrichtet Joachim Held am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Zum 1. Oktober 2010 wurde er als Professor für Historische Lauteninstrumente an die Hochschule für Künste in Bremen berufen.
Für 2011 sind Opernaufführungen in Wien, Innsbruck und Hamburg, CD-Aufnahmen mit Giardino Armonico geplant. Außerdem Soloauftritte im Rahmen der Händel-Festspiele in Halle und Göttingen, dem Rheingau Musikfestival und den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik in Innsbruck. Kurse im Rahmen des Festival Mitte Europas und der Sommerakademie des Mozarteums in Salzburg.
Weitere Informationen:  www.joachim-held.de

Basso continuo aus der Sicht des Praktikers und des Pädagogen. Ein Erfahrungsbericht

Wie wurde mit den verschiedenen Lauteninstrumenten für das Basso Continuospiel umgegangen? Was können wir wissen und wie können wir das Wissen sinnvoll umsetzen?
Als die Laute in den 1960er Jahren vermehrt in der Kammermusik eingesetzt wurde, wurde fast als einziges ihre (Un-) Hörbarkeit thematisiert. Später fertigten Lautenbauer klangvollere Instrumente, die diese elementare Frage ein wenig in den Hintergrund rückten. Bemerkenswerterweise aber hat sich eine historisch differenzierte Spielweise bis heute kaum durchgesetzt. Dabei geben die Quellen interessante Auskünfte. Wie kann man das Wissen aus den Quellen in der Praxis umsetzen?

Frank Legl

Frank Legl, geb. 1955 in Peißenberg. Studium der Germanistik, Geschichte und Sozialkunde an der LMU in München. Promotion 1996 im Fach Mittelalterliche Geschichte. Für seine Dissertation wurde ihm im Jahre 2002 in Dublin ein internationaler Preis verliehen. Weitere Veröffentlichungen überwiegend aus den Bereichen Literaturwissenschaft, Mittelalterliche Geschichte, 18. sowie frühes 19. Jahrhundert. Seine Forschungen und Studien zu Silvius Leopold Weiss und zu weiteren Mitgliedern der Lautenistenfamilie Weiss brachten wichtige neue Erkenntnisse zu deren Biographien. Er ist Herausgeber der Barocklautenhandschrift Mus. Ms. 5362 und Mitherausgeber der Rohrauer Lautentabulaturen.
Frank Legl ist zurzeit in München in der Erwachsenenbildung tätig.

Neue biographische Forschungen zu Lautenistinnen und Lautenisten des 18. Jahrhunderts. Ergebnisse – Probleme – Projekte

Der Vortrag will zum einen die Ergebnisse der jüngsten Recherchen zu Lautenistinnen und Lautenisten des 18. Jahrhunderts präsentieren. Dabei wird zwar die Lautenistenfamilie Weiss mit ihrem herausragenden Vertreter Silvius Leopold Weiss einen Schwerpunkt bilden, jedoch sollen auch neue Forschungen zu anderen prominenten lautespielenden Personen vorgestellt werden, so z. B. zu Johann Kropfgans oder zu Luise Adelgunde Victorie Gottsched.
Es sollen zudem die wichtigsten Probleme angesprochen werden, auf die die biographische Forschung auf dem Gebiet der Lautenistik des 18. Jahrhunderts stößt, die zum Teil aus der Verlagerung der Lautenmusik weg vom professionellen hin zum nicht professionellen Spielen der Laute und dem im 19. Jahrhundert überwiegend zum Erliegen gekommenen Interesse an diesem Instrument resultieren.
Schließlich werden noch Projekte vorgestellt, so z. B. die sich bereits in einem fortgeschrittenen Arbeitsstadium befindende Sammlung „Dokumente zum Leben von Silvius Leopold Weiss“ und eine langfristig geplante lexikalische Zusammenstellung aller bisher bekannten biographischen Quellen zu den lautenistisch tätigen Personen des 18. Jahrhunderts.

Katharine Leiska

Katharine Leiska, geboren 1979 in Hamburg, studierte Musikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an den schwedischen Universitäten in Lund und Uppsala. Nach dem filosofie magisterexamen in Uppsala 2004 assistierte sie einige Monate in der Dramaturgie des Schleswig-Holstein Musik Festivals. 2005 bis 2008 war sie Stipendiatin des Graduiertenkollegs „Imaginatio borealis“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo sie 2010 mit der Arbeit „Skandinavische Musik im wilhelminischen Kaiserreich. Symphonien von Chr. Sinding, V. Bendix und C. Nielsen zwischen Gattungsästhetik und Nord-Imagines“ promovierte (Druck in Vorbereitung). Während des Promotionsstudiums hielt sie Konzerteinführungen u. a. für das Schleswig-Holstein Musik Festival. Seit Oktober 2010 ist sie wissenschaftliche Volontärin am Germanischen Nationalmuseum, Sammlung Musikinstrumente, und an der Hochschule für Musik Nürnberg.

Chancen und Herausforderungen künstlerischer Forschung

Die Formulierung „künstlerische Forschung“ (oder „artistic research“) steht für eine aktuelle bildungspolitische wie kunst- und wissenschaftstheoretische Diskussion auf europäischer Ebene; dabei geht es um die Frage, wie künstlerische Praxis und Wissenschaft stärker voneinander profitieren können. Durch die Reflexion über das Verhältnis von künstlerischer Praxis und Forschung ist die Diskussion auch für das „Forum historische Musikinstrumente“ relevant, in dessen Rahmen sich Musiker, Restauratoren, Instrumentenbauer und Geisteswissenschaftler versammeln. Der Vortrag skizziert zentrale Standpunkte der Diskussion über künstlerische Forschung und wirft Schlaglichter auf Chancen sowie auf Herausforderungen des Konzepts.

Günter Mark

Günter Mark hat 1979 begonnen, Lauten zu bauen, zuerst als Amateur in drei Lautenbaukursen, die in Erlangen unter der Leitung von Robert Lundberg/USA stattfanden, dann 1982/1983 in der Werkstatt von Herrn Lundberg in Portland/Oregon. Seit 1984 betreibt Günter Mark eine eigene Werkstatt, anfangs in Erlangen, dann 5 Jahre in Utrecht/NL und seit 1993 in Bad Rodach. Bei der Entwicklung einer zeitgenössischen Laute lernte er seinen zweiten wichtigen Lehrer kennen, Herrn Benno Streu in Freiburg, der ihm entscheidende Impulse für Klangoptimierung gab. Seit 2001 ist Günter Mark Honorarprofessor für Historische Instrumente am Fachbereich Musikinstrumentenbau der Westsächsischen Hochschule Zwickau in Markneukirchen.

Lautenbau: Berichte aus der Werkstatt

Welches Stück Fichte passt zu welchem Stück Ahorn? Wie dick muss eine Lautendecke sein? Wann ist ein Instrument fertig? Ein Lautenbauer berichtet aus der Werkstatt wie er versucht, mit modernen Messmethoden und handwerklicher Erfahrung und Intuition darauf Antworten zu finden.

Klaus Martius

Nach abgeschlossenem Studium der Germanistik und lateinischen Philologie Ausbildung zum Restaurator für Musikinstrumente am Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, bei Friedemann Hellwig. Restauratorische Weiterbildung am Smithsonian Institution, Washington, am Kunsthistorischen Museum, Wien, und dem Canadian Conservation Institut, Ottawa.
Seit 1987 – unterbrochen durch Erziehungszeiten – in der Musikinstrumentensammlung des Germanischen Nationalmuseums angestellt. Einige Veröffentlichungen zu restauratorischen Themen sowie zum Lauten- und Streichinstrumentenbau.

Füssen – das europäische Lautenkartell

1562 – vor genau 450 Jahren – wurde von Füssener Lautenmachern die erste europäische Zunft von Instrumentenmachern gegründet. Dieses Jubiläum freilich ist nur der äußere Anlass, sich mit dem Lautenbau der Stadt am Lech zu befassen. Wie in einem Brennglas fokussiert sich genau hier die jahrhundertelange Bautradition im Instrument der Lauten als Transfer aus dem arabischen Kulturraum.
So sind es seit dem 15. Jahrhundert in fast allen wichtigen kulturellen Zentren ausgewanderte Handwerker des Allgäus, die den jeweils lokalen Lauten- und Geigenbau begründen und in einem raffiniert gestrickten und weit verzweigten Netz von Rohstofflieferung und -verarbeitung, Planung und Produktion, arbeitsteiligen Gewerbestrukturen und Vertrieb über viele Generationen behaupten.
Anhand von erhaltenen Instrumenten, archivalischen Belegen und Familiengeschichten wird ein Überblick versucht über die geografischen Bedingungen, die Handelswege, die sozialen Strukturen, die Holzgewinnung und Lagerverhältnisse und die Konstruktionsweisen der Lauteninstrumente.

Klaus Martius: „Füssen – Europas Lautenmetropole. 450 Jahre Lautenmacher-Zunft“, in: Concerto. Das Magazin für Alte Musik, Nr. 245 September/ Oktober 2012, S. 10-14.