Es war ein langer Weg. Er begann Ende 1996.
Im Dezember wurde damals entschieden, dass aus dem Meistersinger-Konservatorium
Nürnberg und dem Leopold-Mozart-Konservatorium Augsburg
eine kommunale Hochschule mit finanzieller Beteiligung des
Freistaates Bayern werden solle. Partner wurden neben den
Städten Nürnberg und Augsburg die Bezirke Mittelfranken
und Schwaben, die sich im April 1998 zum Zweckverband Hochschule
für Musik Nürnberg-Augsburg zusammenschlossen.
Studienbeginn an der neuen Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg
war im Wintersemester 1999/2000.
In beiden Abteilungen der Hochschule wurde
mit Orchesterinstrumenten, Klavier, Gesang und Musikpädagogik
ein angemessener Grundstock an Studienfächern angeboten.
Darüber hinaus entwickelten beide Standorte ein eigenes
Profil: Nürnberg mit den Fächern Alte Musik/Historische
Instrumente, Jazz, Percussion, klassischem Saxophon, Akkordeon
und Augsburg mit Kirchenmusik, Blasorchesterleitung, Gitarre
und Musiktherapie.
Ministerrat stellte Weichen
Eine staatliche Hochschule war von Anfang an geplant. Die
Weichen stellte der Ministerrat am 2. Juni 2003. Bayerns
damaliger Ministerpräsident Stoiber erklärte:
„Der Freistaat wird die Musikhochschule Nürnberg-Augsburg
aufwerten und so schnell wie möglich als staatliche
Musikhochschule übernehmen. Dabei werden wir die gleiche
hohe Qualität gewährleisten, wie sie die beiden
staatlichen Musikhochschulen Würzburg und München
garantieren.“
Neustrukturierung in Bayern
In einem Spitzengespräch von Wissenschaftsminister
Dr. Thomas Goppel mit den Hochschulleitungen wurden dann
am 7. Juni 2004 vorbereitende Schritte besprochen, die zu
einer Neustrukturierung der bayerischen Musikhochschulen
führen sollten. Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel
setzte am 19. Mai 2005 eine unabhängige Expertenkommission
ein, die Gutzeit-Kommission. Sie sollte die Musikhochschullandschaft
in Bayern untersuchen, sich mit den strukturellen Fragen
befassen, die sich aus der geplanten Verstaatlichung der
kommunalen Musikhochschule Nürnberg-Augsburg und der
möglichen Integration des Richard-Strauss-Konservatoriums
in die Musikhochschule München ergäben. Vorsitzender
dieser Kommission war Professor Reinhart von Gutzeit, Rektor
der Anton Bruckner Privatuniversität Linz
Empfehlungen der Experten
Die Empfehlungen der Expertenkommission wurden am Abend
des 13. März 2006 den Hochschulrektoren und am 14.
März in einem Pressegespräch im Ministerium vorgestellt.
Ausgangspunkte waren für die Kommission das Bestreben,
die Studentenzahlen maßvoll (um zehn Prozent) zu senken.
Klar war auch, dass der „Organismus Musikhochschule“
eine Mindestgröße von 350 bis 400 Studienplätzen
braucht, sich damit Verbundlösungen nicht bewähren.
Veränderungen ergäben sich, so die
Experten, hauptsächlich für die Hochschule Nürnberg-Augsburg.
Die Abteilung Augsburg empfahlen sie aufzulösen. Elementare
Musikpädagogik und Musiktherapie der Abteilung Augsburg
sollten zukünftig an der dortigen Universität
angeboten, alle anderen Studienangebote auf die anderen
bayerischen Hochschulen, insbesondere München und Nürnberg,
verteilt werden. Die Abteilung Nürnberg solle eine
eigenständige Hochschule werden. Die Kommission empfahl
hier (und in Würzburg) die Beendigung der Orgelausbildung.
In Nürnberg könne ein Exzellenzzentrum für
Alte Musik entstehen. Auch die in Bayern angebotenen Jazzstudiengänge
gingen über den Bedarf hinaus. Hier bedürfe es
gegebenenfalls einer eigenen Evaluierung. Bei der Umsetzung
dieser Vorschläge sei für jeden Studenten zu gewährleisten,
dass er sein Studium in Bayern beenden könne.
Die Empfehlungen der Kommission wurden analysiert
und das weitere Vorgehen eng mit den Musikhochschulen, mit
den sonstigen Trägern und mit dem Bayerischen Landtag
abgestimmt. Arbeitsgruppen begannen, umsetzungsfähige
Entwürfe zu entwickeln. Eine lange Zeit, in der viele
unterschiedliche Konzepte entstanden und präsentiert
wurden. Vor allem für die Abteilung Augsburg galt es,
einen schwierigen Prozess zu bewältigen.
Am Ziel
Doch am 22. Januar 2008 stand die Lösung: Das Kabinett
beschloss den Gesetzentwurf für die Errichtung der
staatlichen Hochschule für Musik Nürnberg sowie
das Konzept für ein eigenständig profiliertes
Zentrum für Musik und Musikpädagogik an der Universität
Augsburg. Ministerpräsident Beckstein betonte: „Damit
sind die langfristigen Bemühungen am Ziel, aus dem
ehemaligen städtischen Konservatorium in Nürnberg
eine staatliche Musikhochschule von hoher Qualität
zu schaffen. Die Augsburger Alternative ist ein überzeugender
Ansatz, Spitzenbildung in der Musik in geeigneter Weise
anzubieten.“ Und Wissenschaftsminister Thomas Goppel
erklärte: „Diese Konzeption, die wesentliche
Anregungen der internationalen Expertenkommission zur Musikhochschullandschaft
in Bayern aufgreift, ist eine gute und zukunftsfähige
Lösung. Sie garantiert die Profilierung und qualitativ
hochwertige Ausbildung im Bereich Musik an den beiden Standorten
in Augsburg und Nürnberg.“
Das Errichtungsgesetz wurde am 24. April 2008
im Landtag beschlossen und am 13. Mai 2008 verkündet.
Damit im Sommersemester 2008 der Senat noch in der Vorlesungszeit
gewählt werden kann, gibt es für den weiteren
Zeitplan wenig Spielraum: Die Senatswahl findet am 26. Juni
statt. Die Amtszeit des künftigen Senats beginnt Anfang
Oktober 2008. Bis dahin wird eine vom Ministerium eingesetzte
vorläufige Hochschulleitung anstelle der Hochschulorgane
handeln. Nach Konstituierung eines Hochschulrats können
der künftige Präsident und die Vizepräsidenten
gewählt werden.
Neue Strukturen, neues Präsidium
Während die vom Ministerium eingesetzte vorläufige Hochschulleitung mit dem bisherigen Rektor bzw. Präsidenten Prof. Siegfried Jerusalem an der Spitze die Amtsgeschäfte führte, wurden ab Juni 2008 nach und nach die neuen Gremien gebildet. Nach den Senatswahlen am 30. Juni und der Konstituierung des Hochschulrates im Dezember konnte im Februar 2009 die Präsidentenstelle ausgeschrieben werden. Anfang 2009 wurde die Hochschule für Musik Nürnberg in die Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (RKM) aufgenommen. Im Juni wählte schließlich der Hochschulrat den 38-jährigen Prof. Martin Ullrich zum neuen Präsidenten der Hochschule. Seit seinem Amtsantritt am 1. Oktober 2009 leitet der bis dahin an der Universität der Künste in Berlin tätige Theorie-Professor die jüngste staatliche Musikhochschule Bayerns.
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